Nina Temann wurde 1995 in Leipzig geboren. Sie studierte Geographie in Wien und Halle sowie Literarisches Schreiben am Deutschen Literaturinstitut Leipzig. Seit 2022 ist sie Mitglied des Lyrikkollektivs fährten, im gleichen Jahr wurde sie mit dem Klopstockpreis für junge Lyrik ausgezeichnet. Es folgte ein Studium am Institut für Sprachkunst in Wien.
Der Band oh augen, eigene oper (Reihe Neue Lyrik) ist ihr Lyrik-Debüt.
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Nina Temans Gedichte eröffnen einen Wahrnehmungsraum, in dem die Natur ihre eigene Dynamik entfaltet. Sie verstehen sich als poetische Prozesse, in denen die Position der Betrachterin zugunsten eines sprachlichen Tastens und behutsamen Sich-Annäherns aufgehoben ist. Ihre Texte sind Teil der Welt, verwandeln sich ihr an und ziehen Leserin und Leser ins Innerste dessen, was Poesie ausmachen kann.
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Nina Temann
oh augen, eigene oper
Reihe Neue Lyrik – Band 31
Herausgegeben von Jayne-Ann
Igel, Jan Kuhlbrodt, Kulturstiftung.
des Freistaates Sachsen
Hardcover, 80 S., 19,80 Euro
ISBN 978-3-948305-33-8
poetenladen, Juni 2026
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lange leier fluss
im karpfen sind keine zähne unter den lippen.
sie sitzen im rachen hinten.
ich kaue mein brot.
in der mündung ist das wasser trüb
und das tauchen eine frage von mut.
der fluss kaut nicht wie ich.
er malmt und leckt mir den fuß.
im leeren schneckenhaus ist es still.
ich bin ausgezogen.
was nahe liegt ist mir fremd.
ein kind ruft als sei es ein kuckuck
dabei ist es ein kind.
der fluss erzählt nicht wie ich.
er schleift kiesel über grund.
einige liegen vor:
kiesel wie abgeleckt.
sie ergeben kein ganzes.
ich kaue mein brot.
ich schlucke mein wasser.
an engen stellen gluckst der fluss.
er hat nicht eine kehle wie ich.
...
Aus: oh augen, eigene oper
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»Nina Temann vermerkt in ihren Gedichten ein zentrales Problem, seit dem der Mensch sein Denken zum Gegenstand der Betrachtung machte. Nämlich dass Gedanken nicht sichtbar sind. Nur wenn sie sich in Sprache verwandeln, werden sie hörbar oder geraten in unser Sichtfeld.«
Jan Kuhlbrodt
Nina Temanns Themen sind existenziell wie im Zyklus sagen lassen, wo das lyrische Ich nach den Grundbedingungen des Daseins fragt und eine zweite Seite des Selbst entwirft – das Spiegelgewicht: ich kannte mein Spiegelgewicht als liebe Gefährtin, als Füchsin, die neben mir schlich. So faszinierend wie beunruhigend kann der poetische Schwebezustand in diesen Versen sein, in denen es keine fertige Weltbedeutung und keine zu deutenden oder kommentierenden Gewissheiten gibt. Im besten Sinne wohnt diesen Gedichten ein Fragen und Hinterfragen inne, als ständen wir mit der Dichterin erst am Anfang des Natur- und Welterlebens.
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